{"id":471,"date":"2020-03-23T17:51:08","date_gmt":"2020-03-23T17:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.bonner-initiative-grundeinkommen.de\/?p=471"},"modified":"2020-03-23T17:59:55","modified_gmt":"2020-03-23T17:59:55","slug":"zeit-zum-schreiben-eine-mail-von-martina-gegen-die-sprachlosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.bonner-initiative-grundeinkommen.de\/?p=471","title":{"rendered":"Zeit zum Schreiben &#8211; eine Mail von Martina gegen die Sprachlosigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Martina Steinheuer lebt in Bonn und war lange in der Bonner Initiative Grundeinkommen aktiv. Heute schrieb sie diese Mail. Mit ihrer Erlaubnis ver\u00f6ffentlichen wir den Text auf unserer Seite. Und bedanken uns, dass sie ihre Gedanken teilt.<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Lieben!<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine gro\u00dfe Verst\u00f6rung entstanden mit der Pandemie und dem, was das f\u00fcr unser aller Leben jetzt bedeutet. Sprachlosigkeit sp\u00fcre ich; bei mir und auch bei denen, die ich nun nicht mehr pers\u00f6nlich treffen und sprechen kann. Man verteilt mehr oder weniger gute Witze \u00fcber WhatsApp und versucht, sich irgendwie an die Gegebenheit anzupassen. Mit einer Mischung aus Unbehagen, Angst, Staunen, Wut, Verdr\u00e4ngung, Ablenkung, Abwehr, je nach Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte den Versuch unternehmen, etwas gegen diese Sprachlosigkeit anzuschreiben. Es ist zuerst einmal ein Akt der Selbstorientierung, der Reflexion. Ich m\u00f6chte etwas gegen meine eigne Erstarrung tun und vielleicht auch gegen die Eure.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst einmal: ich habe keine pers\u00f6nliche Angst vor Sars-CoV-2. Ich habe noch nie eine ernsthafte Erk\u00e4ltung, Grippe, Lungeninfektion gehabt; bin gesund und denke eigentlich, dass ich gute Abwehrkr\u00e4fte habe. Das muss f\u00fcr die Zukunft nichts hei\u00dfen, aber ich mache mir um meine Gesundheit gerade \u00fcberhaupt keine Sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Aber ich habe alte Eltern und ichhabe Freundinnen und Freunde, die Krebs haben, COPD, Nierenleiden und anderes. Um sie alle sorge ich mich schon, wenn nicht direkt, so doch f\u00fcr die n\u00e4chste Zukunft. Ich m\u00f6chte nicht, dass sie \u2013 wenn nicht am Corona-Virus, dann vielleicht auf Grund ihrer anderen Erkrankungen\u2013 an bald \u00fcberforderden Versorgungskapazit\u00e4ten im Gesundheitswesen leiden oder sterben. Wer nicht glaubt, wie ernst diese Gefahr ist, der oder die m\u00f6ge sich \u00fcber die derzeitigen Zust\u00e4nde im Kreis Heinsberg bei Aachen informieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenne \u00c4rztinnen und \u00c4rzte und einige Leute, die anderweitig im Gesundheitswesen arbeiten. Sie werden bald \u00fcberlastet sein, weil die Anforderungen, die auf sie zukommen, einfach zu viel sind. Um die sorge ich mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nat\u00fcrlich mache ich mir Sorgen um all diejenigen, die nicht wie ich eine feste Stelle im \u00f6ffentlichen Dienst haben und bei all den Einschr\u00e4nkungen des wirtschaftlichen Lebens jetzt bald vielleicht um ihre nackte Existenz bangen m\u00fcssen. Wie werdet Ihr \u00fcber die Runden kommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selbst f\u00fchle mich ziemlich privilegiert. Ich wohne mit einigen guten Menschen zusammen, es fehlt uns an nichts. Wir k\u00f6nnen zusammensitzen, miteinander kochen, essen, trinken und fr\u00f6hlich sein. Andere sind allein und sie sind nun, wie ich f\u00fcrchte, auch in ihrem Alleinsein gefangen. Das ist nicht sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich sind es \u201enur\u201c die sozialen Einschr\u00e4nkungen, die mir zu schaffen machen: Manche lieben Menschen werde ich wohl f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit nicht sehen. Wir werden uns nicht umarmen, nichts miteinander erleben, nicht miteinander lachen, spielen, diskutieren, streiten, uns unserer Freundschaft in N\u00e4he erfreuen. Ich f\u00fchle mich jetzt schon irgendwie abgeschnitten von ihnen. Diesen Sommer wird es wohl keine Festivals, keine Open-Air-Konzerte, keine geselligen und unbeschwerten Abende drau\u00dfen im Park geben. Das sind die Dinge, die ich im Sommer so liebe, die mein Lebensgef\u00fchl ausmachen. Keine Feiern und Geburtstagspartys; manche schon seit langer Zeit geplant, angek\u00fcndigt und nun abgesagt. Das ist bitter.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war immer ein politischer und sehr kritischer Mensch. Doch im Moment bin ich wirklich froh, hier zu leben. In einem wohlhabenden Land mit einer Regierung, die vielleicht manches h\u00e4tte anders machen k\u00f6nnen, aber von der ich schon das Gef\u00fchl habe, dass sie sich um uns B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ehrlich sorgt und versucht, gut und im Sinne m\u00f6glichst aller zu agieren. Dass dies massive Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr jede und jeden von uns bedeutet, finde ich logisch. Dass in diesen Einschr\u00e4nkungen Gefahren f\u00fcr die Zukunft liegen, liegt auf der Hand. Doch dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lebe nicht in einem Fl\u00fcchtlingslager an der griechisch-t\u00fcrkischen Grenze. Was dort passieren kann, mag ich mir gar nicht vorstellen. Ich lebe nicht in einem Kriegs- oder Hungergebiet, nicht in einer Gegend, die auch ohne Sars-CoV-2 Grund genug zur Flucht gibt. Nicht in einem v\u00f6llig korrupten, despotischen Land und auch nicht in einem, in der machtgierige Herrscher ihre eigene Stellung \u00fcber alles andere stellen. Nicht in den USA, deren Rate an Infizierten wohl bald die weltweite L\u00e4nder-Liste anf\u00fchren werden. Und auch nicht in China, dessen M\u00e4chtige vielleicht schnell und im Sinne des Ansteckungsschutzes richtig reagiert haben, um die Epidemie in den Griff zu bekommen, aber in dem, so wie zu lesen ist, jedwede Kritik an der Einparteienf\u00fchrung wie zuvor massiv unterdr\u00fcckt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lebe in einem Land, dessen Regierung ihre Fehlbarkeit zeigt, deren Ma\u00dfnahmen auch deutlich von Unsicherheit gepr\u00e4gt sind. Aber wie denn auch nicht? Da sitzen Menschen, keine \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c und ich bin froh dar\u00fcber. Und es ist auch ein Land, das mir das Gef\u00fchl gibt, dass hier niemand, der oder die etwas zu sagen hat, seine oder ihre pers\u00f6nlichen Interessen \u00fcber das Wohl der Allgemeinheit stellt. Und wenn das doch jemand tut, dann jedenfalls nicht in einem Ma\u00dfe, dass es wirklich sch\u00e4digend f\u00fcr die Menschen ist, anders als etwa in den USA oder in Brasilien. Das beruhigt mich schon; ich h\u00e4tte nie gedacht, dass ich einmal so etwas schreibe.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird schlimm werden und es wird dauern, aber alles in allem \u2013 davon bin ich derzeit \u00fcberzeugt, werden wir das alles in seinen direkten Auswirkungen besser hinkriegen, als viele andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Und in der Tatsache, dass dieses Virus bisher \u00fcberwiegend in wohlhabenden, westlichen L\u00e4ndern w\u00fctet, sehe ich \u2013 das mag, wer will, zynisch finden \u2013 in gewisser Weise als \u201eh\u00f6here Gerechtigkeit\u201c an. Denn bisher haben die Folgen unseres westlichen Lebensstils, seien es Armut, prek\u00e4re Arbeitsbedingungen, Landraub, Umweltsch\u00e4den und Klimawandel vor allem diejenigen getragen, die am wenigsten oder gar nichts davon hatten. Und nun trifft es in erster Linie einmal uns. Das kann sich nat\u00fcrlich auch noch \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zauberwort unseres kapitalistischen Lebensstils war immer \u201eWachstum\u201c. Es sollte, so lautete die gro\u00dfe Erz\u00e4hlung, immer mehr Wohlstand f\u00fcr immer mehr Menschen bringen. In gewisser Weise hat das ja auch gestimmt, aber dass das nicht mehr funktioniert, haben gerade in den letzten Jahren immer mehr Menschen begriffen. Auch die Wachstumskurve ist im \u00dcbrigen eine exponentielle \u2013 und was das bedeutet, sehen und sp\u00fcren wir gerade am Ausbreiten der Pandemie. Exponentielles Wachstum von Konsum, Energieverbrauch und materiellem Lebensstandard kann nicht dauerhaft Basis f\u00fcr das menschliche Leben der Erde sein, denn entweder ruinieren wir unsere nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen oder wir nehmen es in Kauf, dass ein gro\u00dfer Teil der Menschheit f\u00fcr den Wohlstand einer Minderheit bezahlt. Und beides ist ja in vollemGange.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun \u2013 oder bald \u2013 steht sie also still.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfe, alles verschlingende, globale Spirale vom \u201eImmer mehr\u201c f\u00fcr die Privilegierten. Noch handeln die B\u00f6rsen und ein Haufen gut bezahlter Finanzjongleure arbeitet in den Handelsh\u00e4usern und kommuniziert mit einer unfassbar zynischen Sachlichkeit, wie man nun und mit was f\u00fcr Papieren am besten handelt und seine Depots verbessern kann in Zeiten der Krise.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch das ist wohl eine Frage der Zeit. Noch reden Politikerinnen und Politiker von den gro\u00dfen Konzernen, die man nicht im Stich lassen d\u00fcrfe. Nat\u00fcrlich geht es dabei um Arbeitspl\u00e4tze und Menschen, die sich fragen, ob sie in ein paar Wochen oder Monaten ihre Familien noch ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Aber die meisten Arbeitspl\u00e4tze gibt es eben nicht bei der Lufthansa oder den Automobilkonzernen. Sondern es sind mittelst\u00e4ndische Unternehmen, kleine L\u00e4den, Handwerksfirmen und Dienstleistungsbetriebe. Kneipen und Kultureinrichtungen. Sie alle, ihre Chefs und die Mitarbeitenden werden um ihre Existenz bangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wird passieren? Meine Kenntnisse von wirtschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen sind recht laienhaft, aber ich m\u00f6chte trotzdem schreiben, was ich denke: Meine These ist, dass der Staat vielleicht zun\u00e4chst gro\u00dfe Konzerne finanziell unterst\u00fctzen wird, dass hei\u00dft, er wird sie zu Teilen verstaatlichen. Dazu geh\u00f6ren dann wohl auch Banken, denn ich verstehe, dass es wichtig ist, dass Menschen an Geld kommen. Doch mit der Verstaatlichung von Konzernen ist ja letztlich nur wenigen geholfen. Also wird der Staat dieMenschen alimentieren, wenn es keinen B\u00fcrgerkrieg geben soll. Es wird irgend eine Art von Grundeinkommen geben; nicht aus \u00dcberzeugung, sondern, weil es nicht anders geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden anders leben lernen in der Krise, davon bin ich \u00fcberzeugt. Und je l\u00e4nger sie dauert, desto st\u00e4rker werden wir anders leben und wirtschaften. Wir werden merken, dass Vieles anders sein kann. Es wird nicht alles gut sein, was passiert, davon bin ich auch \u00fcberzeugt. Aber wir werden uns neu und anders orientieren, weil wir es m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und irgendwann in dieser neuen Realit\u00e4t werden wir das Gr\u00f6bste \u00fcberstanden haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann? Wird es dann weitergehen, wie bisher? Wie vor der Krise?<\/p>\n\n\n\n<p>Wer wird das bestimmen?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich \u2013 und nicht zuletzt deshalb schreibe ich diesen Text, hei\u00dft die Antwort: WIR ALLE!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie oft habe ich gedacht: Es kann nicht so weitergehen! Es muss eine Ver\u00e4nderung dieses Krebsgeschw\u00fcrs von Wachstumswahn, Ungleichheit und Umweltzerst\u00f6rung geben. In nahezu jeder lockeren Runde unter Freunden und Bekannten war man irgendwann an dem Punkt, wo man die Absurdit\u00e4t des Systems beklagt hat. Oft genug habe ich mit Gleichgesinnten den Zusammenbruch geradezu herbeigesehnt. Dann kam vor 12 Jahren die Finanzkrise und f\u00fcr einen kurzen Moment war da die Hoffnung, es m\u00f6ge sich etwas Grundlegendes \u00e4ndern. Aber man hat einfach Unmengen Geld in die \u201eRettung\u201c, also die Aufrechterhaltung des Gesamtsystems gesteckt. Bezahlt haben andere; auch wenn das von manchen nicht so kommuniziert wird. F\u00fcr uns in Deutschland war das Ganze doch nur ein abstraktes Zahlenspiel. Die meisten hier haben keinen Schaden aus der Finanzkrise gehabt; jedenfalls nichts im Vergleich zu dem was in Volkswirtschaften anderer L\u00e4nder passiert ist. Und die B\u00f6rsenkurse sind danach in unbekannte H\u00f6hen gestiegen; das spricht f\u00fcr sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der tiefe Wunsch nach Ver\u00e4nderunghat mich jahrelang f\u00fcr ein Bedingungsloses Grundeinkommen streiten lassen. Davor, ein paar Jahre nach Gr\u00fcndung der Gr\u00fcnen, war ich dort aktiv und nat\u00fcrlich hatte und habe ich viel Sympathie f\u00fcr die ganze \u201eFridays for Future\u201c-Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und gerade, wenn man auf diese letzte gro\u00dfe gesellschaftliche Bewegung sieht, kann man erahnen, was f\u00fcr ein ungeheures Potential in der neuen Situation steckt: Kein Appell, kein noch so dringendes Argument f\u00fcr den notwendigen Schutz des Weltklimas, f\u00fcr unser eigenes, menschliches \u00dcberleben war auch nur im Ansatz stark genug, dieses gro\u00dfe Anhalten zu bewirken, das nun passiert!<\/p>\n\n\n\n<p>NIE MEHR kann ein Politiker oder eine Politikerin sagen, dieses und jenes sei alternativlos, wir k\u00f6nnen es wegen Wettbewerbsnachteilen oder sonst welcher Gr\u00fcnde nicht tun, nicht ver\u00e4ndern! Wir sehen doch gerade, was geht!<\/p>\n\n\n\n<p>Es liegt an uns, ob es DANACH wieder ein \u201eBusyness as usual\u201c gibt oder nicht! Nur, weil im Moment kaum mehr einer dar\u00fcber spricht, ist die Klimakrise ja nicht weniger pr\u00e4sent, als noch vor zwei Monaten. Wollen wir wirklich, dass die geschundene Natur, die gerade beginnen kann, sich ein wenig von uns zu erholen, wie bisher ausgebeutet wird? Wollen wir weiterhin auf die\u201eFestung Europa\u201c bauen, die uns Wohlstand und Sicherheit gibt zum Preis von Abermillionen Menschen auf der Welt in Armut und Perspektivlosigkeit? Von denen dann fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ein immer gr\u00f6\u00dferer Teil an die Grenzen von Europa dr\u00e4ngt um sich endlich ihren Anteil vom Kuchen zu holen? An Grenzen, die mit immer gr\u00f6\u00dferem Aufwand vor diesen Menschen gesch\u00fctzt werden, wie die \u201eGated Communities\u201c in armen L\u00e4ndern. Wollen wir eine \u201eGated Community Europa\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Demokratie ist sicher nicht optimal, aber der Staat sind doch WIR! Ich habe die Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens innerhalb des bestehenden Systems vor allem wegen der ganzen Klimathematik zunehmend kritisch gesehen. Aber ich dachte immer, um eine wirkliche Ver\u00e4nderung herbeizuf\u00fchren, w\u00e4re es auf jeden Fall der richtige Weg! Und wenn es also nun durch diese Ausnahmesituation eingef\u00fchrt werden sollte, dann liegt es an uns, es uns hinterher nicht wieder wegnehmen zu lassen! Es einzusetzen f\u00fcr den Aufbau einer anderen Welt. Das h\u00f6rt sich furchtbar pathetisch an, aber wann, wenn nicht dann?<\/p>\n\n\n\n<p>Wann, wenn nicht jetzt?<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Menschen, auch von mir gesch\u00e4tzte Menschen, die glauben, das sei alles eine gro\u00dfe Verschw\u00f6rung. Alles sei nicht so wild und irgendwer h\u00e4tte das alles nur inszeniert. Aber wer sollte das sein? Wer sollte daran ein Interesse haben und es dabei schaffen, die ganze westliche Welt zum Erliegen zu bringen? Glaubt diesen Bl\u00f6dsinn nicht. In vier Wochen wird niemand mehr von so etwas reden. Aber dann kommen sicher die neuen Verschw\u00f6rungstheorien. Das Virus ist real, aber von irgendjemandem b\u00f6swillig und gierig in die Welt gesetzt worden. Aber auch hier frage ich: Von wem denn? Fallt nicht auf so einen Mist herein, spart Euch Eure Energien daf\u00fcr auf, Euch Euren Nachbarinnen und Nachbarn, den Obdachlosen und Fl\u00fcchtlingen gegen\u00fcber so zu verhalten, dass Ihr abends noch in den Spiegel schauen k\u00f6nnt. H\u00f6rt nicht auf die Populisten, auf die Dumpfparteien; vielleicht freuen die sich ja sogar \u00fcber einen Staat, der gerade so hart agiert, wie sie sich das bisher in ihren k\u00fchnsten Tr\u00e4umen nicht vorstellen konnten. Wer wei\u00df, auf was f\u00fcr dumme Gedanken deren Z\u00fcndk\u00f6pfe noch kommen, gebt Ihnen keine Chance!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Name f\u00e4llt mir ja schon ein, als gro\u00dfer Nutznie\u00dfer der Pandemie. AMAZON. Sie werden sicher gute Gesch\u00e4fte machen und noch dazu viele Arbeitspl\u00e4tze schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach, lasst sie doch! Auch von uns werden sicher einige froh sein \u00fcber das eine oder andere P\u00e4ckchen, dass wir so praktisch von Ferne ordern k\u00f6nnen und vor die T\u00fcr geliefert bekommen. Und die B\u00f6rsen-Hipster \u2013 lasst sie spielen; am Ende k\u00f6nnen sie ihr Geld auch nicht fressen und wir werden sie verkraften.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Amazon? \u2013 Was meint Ihr, wenn in ein paar Monaten oder sp\u00e4ter irgendwann die kleinen L\u00e4den auferstehen, sich neu erfinden, wie auch immer, wenn es jedenfalls wieder \u00f6ffentliches Leben gibt, dann werden die Menschen gl\u00fccklich sein, bei der Anprobe eines Kleidungsst\u00fccks oder beim Kauf eines Buches wieder ein menschliches, freundliches Gesicht vor sich zusehen und nicht nur ihren Computerbildschirm!<\/p>\n\n\n\n<p>Und feiern wollen wir dann! Feiern und Tanzen!<\/p>\n\n\n\n<p>Passt auf Euch und Eure N\u00e4chsten auf und auf die, denen es schlechter geht als Euch und bleibt wohlauf!<\/p>\n\n\n\n<p>Martina<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martina Steinheuer lebt in Bonn und war lange in der Bonner Initiative Grundeinkommen aktiv. Heute schrieb sie diese Mail. Mit ihrer Erlaubnis ver\u00f6ffentlichen wir den Text auf unserer Seite. Und bedanken uns, dass sie ihre Gedanken teilt. Ihr Lieben! 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